Textertipp: Kopfkino

 

Kopfkino: Film ab! Mit den richtigen Begriffen

 
Emotionale und bebilderte Botschaften haben eine deutlich längere Halbwertzeit. Setzen Sie die Macht der Sprache ein und entfesseln Sie damit die Kraft innerer Bilder.
 

Kopfkino

 
„On a dark desert highway, cool wind in my hair. Warm smell of colitas, rising up through the air.“
 
Sie haben den Song vielleicht am Text erkannt. Zum „Hotel California“ von den Eagles führt nicht irgendein Highway, sondern ein dunkler Wüsten-Highway. Kalter Wind fährt dem Protagonisten durch die Haare. Es riecht nach Colitas, den Spitzen der Marihuana-Pflanze. Moment, der Mann wird doch nicht etwa Drogen nehmen …?
 

Starke Bilder mit wenig Worten

 
Mit wenigen Worten haben die Eagles ein kraftvolles Bild auf eine imaginäre Leinwand gepinselt – und unsere Fantasie angeregt. Neurowissenschaftler konnten in zahlreichen Studien nachweisen, welch entfesselnde Kraft die Imagination in sich trägt. Egal, ob wir uns selbst motivieren oder andere Menschen überzeugen wollen: Was keine Bilder oder Emotionen in sich trägt, hat für uns keine oder nur eine sehr geringe Bedeutung.
 

Kalt und trocken – abstrakte Fremd- und Fachwörter

 
Doch nicht alle Wörter wecken das Kopfkino des Lesers! Fremd- und Fachwörter sind oftmals abstrakt und wenig bildhaft. Oftmals versteht Sie Ihr Publikum womöglich auch nicht. Deshalb setzen Sie diese sparsam ein. Benötigen Sie Fach- oder Fremdwörter aber trotzdem mal, führen Sie sie vorsichtig ein und erklären Sie, was sie bedeuten.
 
Veranstalten Sie jedoch eine Weinverkostung in Ihrem hochexklusiven Weinladen, sollten Sie die Fachbegriffe der Weinwelt schon kennen: benennen Sie das Bouquet des Weines, sprechen Sie über den Abgang – zeigen wie qualifiziert Sie auf Ihrem Fachgebiet sind. Damit zeichnen Sie dem Weinkenner auch ein Bild!
 
Sie merken also schon: Wie oft und wie viele Fremdwörter oder Fachwörter Sie verwenden, kann schlecht pauschal gesagt werden. Achten Sie einfach auf Ihre Zielgruppe und verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl!
 

Nominalstil: Adé!

 
Auch der Nominalstil wird Sie beim bildhaften Schreiben nicht weit bringen. Substantive sind oft einfach viel zu passiv. Wollen Sie das Publikum aber ansprechen, müssen Sie aktiv sein: Verwenden Sie lieber Verben! Die machen den Text lebhaft und bewegt. Der Leser kann sich viel besser vorstellen, was passiert, wenn Sie ihm in einem aktiven Text mit Verben erzählen was passiert.
 

Je konkreter, desto besser

 
Beschreiben Sie – sinnlich, aromatisch, emotional. Zaubern Sie mit kraftvollen Adjektiven oder Adverbien: orange, salzig, seidig. Wenn aus einem normalen Tuch ein wundervolles purpurrotes Tuch wird, dann sieht man es vor seinem geistigen Auge. Nüchterne Informationen werden so zu einer Art Kopf-Kino. Wir sehen konkrete Szenen, angereichert durch Emotionen. Ich kann mir dann „ein Bild machen“ und es gleichzeitig fühlen. Wer sich stattdessen nur mit abstrakten Begriffen ausdrückt (‚ein Hotel in der Wüste‘), der setzt noch nicht auf die Kraft der Imagination.
 
Das gilt auch für die Substantive, die Sie verwenden. Je konkreter, desto besser! Sprechen Sie also von einem „Turm“, betiteln Sie ihn genauer: Ist es ein „Leuchtturm“, ein „Fernsehturm“, ein „Wasserturm“ oder sogar „der Eiffelturm“? Bei jedem der verschiedenen Türme entsteht ein jeweils anderes Bild im Kopf des Lesers. So einfach können Sie dieses Bild beeinflussen! Also: Seien Sie der Regisseur im Theater der Worte – steuern Sie die Szene!
 
Begriffe wie „Wüste“ lassen sehr viel Raum für Interpretationen. Ist es nun eine „Eiswüste“, eine „Sandwüste“ oder eine „Steinwüste“? Das gilt übrigens auch für Ihre eigenen Ziele, Wünsche oder Sehnsüchte. “Glück“ oder “Erfolg“ sind als Wünsche zunächst mal ziemlich abstrakt – bis man sie bebildert und konkretisiert.
 

Abstrakt aber erfahrbar …

 
Andere Nomen, die Sie verwenden können, sind Worte wie „Glück“, „Liebe“, „Hass“ oder „Trauer“. Auch wenn Sie abstrakt sind, sind Sie uns sehr bekannt. Sie sind erfahrbar und wir kennen sie gut. Daher lösen auch diese Wörter Bilder in unserem inneren Auge aus. Sie sind tief mit unserer Gefühlswelt verbunden und können daher eingesetzt werden.
 
Also: Zielen Sie mit Ihrer Sprache nicht nur auf den Kopf, sondern vor allem auf den Bauch und das Herz. Wie bei den Eagles ist die Botschaft kraftvoller, weil sich Verstand (Ratio) und Bauch (Emotion) gegenseitig befördern.
 
(aus dem Beitrag von Patrick Lynen in „Kauf mich!“-Kommunikation und dem Fachbuch „Texten!“von Stefan Gottschling)
 
 
Hier gibt’s den Tipp für mehr optimale Wortlängen zum Download.
 
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