Texten für alle Sinne

So holen Sie Ihren Leser ganz persönlich ab!
 
Auf einen Blick:
Texten für alle Sinne: Welches Haus wählen Sie?
Typ-Erkennung: So texten Sie direkt auf Ihren Leser zu …
Texten für visuell orientierte Menschen …
Texten für eher audio-orientierte Menschen
Menschen, die stärker gefühls- und körperorientiert sind
Zusammenfassung
 
Eigentlich ein „alter Hut“. Aber immer wieder ein Thema in unseren Texterseminaren: Kann man mit Texten noch näher an den Menschen herangehen? Ja man kann. Man kann seinen Text durch Wörter und Wendungen sogar ganz klar auf das Wahrnehmungssystem seines Gegenübers ausrichten. Bekannt ist das schon lange. Und eingesetzt wird es auch seit vielen Jahren. Im Textertipp erfahren Sie, wie Sie besser für verschiedene Wahrnehmungstypen texten.
 

Texten für alle Sinne

 

Texten für alle Sinne: Welches Haus wählen Sie?

 
Warum sind Beschreibungen ein und derselben Sache durch verschiedene Menschen oft so unterschiedlich? Warum werden Dinge überhaupt „falsch verstanden? Ein Grund: Unterschiedliche Menschen bevorzugen unterschiedliche Wahrnehmungssysteme. Ein Beispiel zeigt, was gemeint ist:
 
Beschreibung Nr. 1:
Das Wohnhaus ist wunderschön anzusehen. Überall klare Linien und Licht. Sie werden begeistert sein, wenn Sie es sich anschauen. Der weiße Kiesweg, die bunten Weinreben am Giebel, die pfirsichfarbene Umzäunung. Alles sieht blendend aus. Die vielen Fenster sind sehr groß, so dass zu jeder Tageszeit Sonne in die Zimmer scheint. Und der große Garten… Da gibt es jeden Tag tausend Dinge neu zu sehen und zu bestaunen.“
 
Beschreibung Nr. 2:
„Das Wohnhaus liegt an einer sehr ruhigen Straße. Die Einrichtung spricht in ihrer Eleganz für sich. Hinter dem großen Garten beginnt direkt der Park. Das Zwitschern der Vögel hören Sie bis auf die Terrasse. Es soll sogar eine Nachtigall im Park wohnen. Ich war gestern Abend noch einmal dort. Es ist ein Traum, wenn man in der Dämmerung dort spazieren geht und dem Flüstern des Windes zuhört…“
 
Beschreibung Nr. 3:
„Das Haus ist sehr schwer zu beschreiben. Sie sollten einfach hinfahren und es auf sich wirken lassen. Die gediegene Konstruktion, die stabilen Fenster und Türen, die alte Holztreppe und die massiven Balken in dem großen Kaminzimmer. So wird heute überhaupt nicht mehr gebaut. Dazu der große Garten mit dem alten Baumbestand. Das ganze Anwesen ist mit einem soliden Zaum umgeben. Ich bin sicher, es wird Ihnen gefallen.“
 

Beschreibung eines Hauses

 
Dasselbe Haus, drei Beschreibungen. Wenn Sie ein Text nun ganz besonders angesprochen hat, ist das ein Indiz dafür, dass Sie – zumindest im Moment – ein Wahrnehmungssystem bevorzugen. Denn Haus Nr. 1. wurde für den visuellen Wahrnehmungstyp oder „Augenmenschen“ beschrieben, Haus Nr. zwei für den Hörmenschen oder Audiotyp und Haus Nr. 3 für den Fühltypen oder Kinästheten.
 

Typ-Erkennung: So texten Sie direkt auf Ihren Leser zu …

 
Wer erkennen kann, welche Eindrücke, welche Redewendungen seine Kunden am meisten ansprechen, ist auf dem besten Weg ein absoluter Topkommunikator zu werden. Denn dann hat man für unterschiedliche „Typen“ jeweils die richtige Sprachvariante parat. Deshalb wurden diese Techniken zuerst für das Telefonmarketing eingesetzt. Wer aufmerksam zuhört kann an der Wortwahl erkennen, ob der Gegenüber am Telefon eher visuell, auditiv oder kinästhetisch orientiert ist.
 
So könnte zum Beispiel der kurze Satz „Ich verstehe Dich“ beim visuell orientierten Menschen lauten „Ich sehe, was Du meinst“ oder „Das sehe ich auch so“, der audio-orientierte würde sagen „Das klingt vernünftig“ und der kinästhetisch orientierte Mensch würde mit „Da habe ich ein gutes Gefühl!“ seine Zustimmung geben.
 
In der schriftlichen Kommunikation hat man nun keinen direkten Gegenüber. Oft bietet aber das Wissen über die Zielgruppe erste Anhaltspunkte. Welchen Wahrnehmungstypen würden Sie beispielsweise Sänger, Fotografen, Architekten zuordnen? Doch nicht immer ist die Zuordnung klar. Dann sollten Sie überprüfen welche Aspekte Ihre Zielgruppe wohl am meisten ansprechen. Am besten setzten Sie textliche Reize für die wichtigen drei Wahrnehmungssysteme: Schreiben Sie in jedem Fall bildhaft, nutzen Sie aber auch Schlüsselwörter und Wendungen, um audioorientierte und kinästhetische Leser besonders zu aktivieren. Dabei hilft Ihnen die folgende Zusammenstellung
 

Texten für visuell orientierte Menschen …

 

Texten visuelle Menschen

 
Visuell orientierte Menschen machen sich ein Bild von dem, was sie umgibt. Sie denken in Bildern und sehen Dinge klar und eindeutig. Sie stellen sich ein Produkt vor dem geistigen Auge vor und beleuchten einen Kauf aus unterschiedlichen Perspektiven.
 
Sie achten auch nicht so genau auf die exakte Wortwahl, denn Sie versuchen – allgemein gesagt – in erster Linie Ihre Bilder im Kopf mit Worten anzureichern. Diese Menschen sprechen eine bildhafte Sprache. Sie nutzen Formulierungen wie: „Das sehe ich anders“, „das sieht gut aus“, „das kann ich mir plastisch vorstellen“, „das war doch sonnenklar“, „das sehe ich anders“, „das wird mir zu bunt“… Lieblingswörter sind ‚Sehen, blicken, starren, zeigen, sich vorstellen, beobachten, erkennen’. Oder Eigenschaftswörter wie: ‚Deutlich, klar oder anschaulich’.
 
Für Ihren Text hat das die folgende Bedeutung:
 
👁 Schreiben Sie bildhaft und verwenden Sie bildhafte Vergleiche.
👁 Formulieren Sie kurze, übersichtliche Sätze.
👁 Beschreiben Sie Ihr Produkt nach äußeren Merkmalen und machen Sie Angaben zu Größe Ihres Produkts und zur Dauer einer Maßnahme.
👁 Erwähnen Sie Referenzen, Expertenmeinungen und unterschiedliche Nutzenaspekte zu Ihrem Angebot.
👁 Stimulieren sie das Kopfkino Ihres Lesers und beschreiben Sie Ihr Produkt in unterschiedlichen Phasen. Zum Beispiel in Funktion, in Ruhe, usw. …
👁 Legen Sie Prospektmaterial / Bildmaterial bei.
 
Beispiele für visuelle Redewendungen:
bei Licht besehen / da sehe ich keine Chance / das ist mir klar / das passt nicht ins Bild / das ist Schwarzweißmalerei / das lässt tief blicken / das sieht gut aus / das war doch sonnenklar / das wird mir zu bunt / dasselbe in Grün / den Teufel an die Wand malen / der Schatten eines Verdachts / der Schein trügt / durch Abwesenheit glänzen / ein Bild malen /
 

Texten für eher audio-orientierte Menschen

 

Texten auditive Menschen

 
Audio-orientierte Menschen achten sehr auf eine korrekte Wortwahl. Sie nehmen Dinge über Klang, Rhythmus, Lautstärke und Geräuschkulisse wahr, sind „ganz Ohr“ und hören, was um sie herum passiert. Sie verlassen sich aber auch auf das, was sie in welchem Ton von anderen Personen gehört haben. Sie haben oft eine resonante, tragende Stimme und Ihre Sprache ist langsamer, rhythmischer und bedachter. Da Worte für sie viel bedeuten, denken audio-orientierte Menschen darüber nach, was Sie sagen.
 
Typische Formulierungen, die Sie wählen sind: „Das klingt gut“, „ich höre Ihnen genau zu“, „gerade hat es „Klick“ gemacht“, „der posaunt alles aus“ oder „ich hab‘ was läuten gehört“. Lieblingswörter sind: ‚Rufen, sprechen, sagen, hören, abstimmen, einstimmen, klingen’ oder Eigenschaftswörter wie ‚laut’ und ‚leise’.
 
Für Ihren Text hat das die folgende Bedeutung:
 
👂 Ihre Sätze sollten klingen. Achten Sie auf Satzmelodie und Rhythmus.
👂 Zitieren Sie Expertenmeinungen und Referenzen.
👂 Wenn möglich: Bieten Sie Ihrem Leser an, er könne sich durch ein Gespräch mit einer Referenzadresse selbst überzeugen. Bieten Sie Hörproben und Hörbeispiele an.
👂 Verwenden Sie Adjektive, Verben und Substantive, die Geräusche assoziieren oder schaffen Sie eine verbale Verbindung zwischen Produkt und einer fiktiven Geräuschkulisse.
 
Beispiele für auditive Redewendungen
 
Aufmerksamkeit schenken / das klingt gut / das lässt sich hören / daher pfeift also der Wind
/ dann kracht`s aber / dem werde ich mal Bescheid sagen / den Mund halten / der Neue hört sich gut an / der posaunt alles aus / der neueste Schrei / deutlich ausgedrückt / die Gläser klingen lassen / die Ohren voll jammern / ein Ohr leihen / einen Bericht geben
 

Menschen, die stärker gefühls- und körperorientiert sind, …

 

Texten haptische Menschen

 
sprechen oft noch langsamer als unser audio-orientierter Typ. Sie nehmen, was um sie herum passiert, in Gefühlen wahr und reagieren darauf. Sie begreifen Dinge über ihre Beschaffenheit und Form, stellen sich ein Produkt immer in den eigenen Händen vor und wägen unterschiedliche Aspekte des Produkts miteinander ab. Sie begreifen das Ganze als die Summe von detaillierten Einzelheiten.
 
Den kinästhetischen Wahrnehmungstypen muss man quasi die Wörter „aus der Nase ziehen.“ Sie benutzen oft Worte aus dem physikalischen Bereich: Dinge sind für sie „schwer zu verstehen“ und „zu wenig konkret“. Sie sagen: „Die Sache ist für mich noch nicht fassbar“. Das bekommen wir schon in den Griff“, „das fühlt sich gut an“, „etwas an den Haaren herbeiziehen.“ Lieblingsverben sind ‚fühlen, spüren, erfassen, berühren, begreifen’ und Eigenschaftswörter wie: ‚Glatt, kalt, warm oder weich’.
 
Für Ihren Text hat das die folgende Bedeutung :
 
✋ Sprechen Sie für Ihren Gegenüber das Gefühl und das sinnlich Begreifbare an.
✋ Argumentieren Sie mit eindeutigen Aussagen. Meiden Sie Zwischentöne und ja-aber-Konstruktionen.
✋ Beschreiben Sie Ihr Produkt über die detaillierte Form, Gestalt und Oberfläche.
✋ Benutzen Sie sinnliche Adjektive des Tastsinns.
✋ Falls Sie über Warenproben oder Muster verfügen: Bitte beilegen!
✋ Beschreiben Sie die einzelnen Merkmale des Produkts sehr detailliert.
✋ Schaffen Sie Atmosphäre durch den Einsatz von gefühls-beladenen Worten.
 
Beispiele für kinästhetische Redewendungen:
 
alle Fäden ziehen / alles auf den Kopf stellen / auf die Palme bringen / auf dem Teppich bleiben
/ aus der Haut fahren / das Argument sitzt / das Eis ist gebrochen / das ist mir entfallen / das fühlt sich gut an / das Problem in der Hand haben / das Problem in den Griff bekommen / das reibt sich / den Ärger in sich hineinfressen / den Daumen draufhaben / den Finger auf etwas haben / den Vorschlag passend machen / die Fühler ausstrecken / die Karten auf den Tisch legen / ein Klotz am Bein sein / eine Gänsehaut bekommen
 

Zusammenfassung

 
Die wichtigsten Grundsätze, wenn Sie „Wahrnehmungstypen“ ansprechen:
 
1. Holen Sie Ihren Gesprächspartner dort ab, wo er sich sprachlich und gedanklich befindet! Überlegen Sie ob sich Ihre Zielgruppe einem Typen zuordnen lässt.
2. Je mehr Sie sich in die Welt Ihres Gesprächspartners hineinbewegen, desto besser ist der schriftliche Kontakt.
3. Nutzen Sie die Wörter und Wendungen um sprachlich auf Ihren Leser zuzugehen.
4. Setzen Sie textliche Reize für alle Sinne. Drei Viertel Ihrer Leser bevorzugen wahrscheinlich das visuelle Wahrnehmungssystem.
 
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