Mehrdeutige Wörter: Wie Texter gekonnt mit ihnen umgehen ...

Doppeldeutige und mehrdeutige Wörter

 
Mehrdeutige Wörter haben Ihren Reiz. Sie können zum Schmunzeln anregen und Texte interessant machen. Auch für Werbetexte und Marketing. So wirbt beispielsweise ein Leuchtmittel-Hersteller damit, dass man mit der neuen Lampe keine „heiße Birne“ mehr bekommt. Glühbirne und Kopf – mit einem Wort nah beisammen und doch ganz anders. Gekonnt eingesetzt macht ein doppeldeutiges oder mehrdeutiges Wort einen Slogan also speziell. Der Leser kommt in den Genuss des „Ha! Das habe ich gecheckt!“ Effekts. Aber Vorsicht! Werden mehrdeutige Wörter vom Leser nicht verstanden, verlieren Texte unter Umständen nicht nur ihren Charme, sondern bedeuten plötzlich vielleicht gar etwas anderes. Der Textertipp zeigt diesmal mehrdeutige Wörter, was Bienen damit zu tun haben und wie man im Text mit Mehrdeutigkeit umgehen sollte.
 

Mehrdeutige Wörter

 

Mehrdeutige Wörter und die Sprachwissenschaft

 
Wichtige Begriffe, die im Zusammenhang mit mehrdeutigen Wörtern in der Sprachwissenschaft auftauchen, werden hier vereinfacht erklärt:
 
Äquivokation: Im Begriff stecken die lateinischen Wörter aequus und vocare. Also „gleich“ und „rufen/nennen“. Zwei Wörter klingen also gleich.
 
Polysemie: Wenn ein sprachliches Zeichen – also zum Beispiel ein Wort – für verschiedene Bedeutungsinhalte steht, spricht der Sprachwissenschaftler von einem Polysem. Polyseme Wörter sind mehrdeutig und haben eine gemeinsame Herkunft. Das Wort „Flügel“ zum Beispiel hat sowohl beim Vogel, beim Instrument oder auch beim Fußball die Merkmale „seitlich“ und „beweglich“.
 
Homonymie: Auch homonyme Wörter besitzen mehrere Bedeutungen, aber eine unterschiedliche Sprachherkunft. Im Gegensatz zum „Flügel“ hat beispielsweise der griechische Buchstabe „Tau“ mit dem Morgentau nichts gemein.
 
Eine weitere Untescheidung gibt’s noch kurz erklärt: Homographie vs Homophonie. Bei der Homographie gleichen sich zwei Wörter in der Schreibweise und unterscheiden sich in der Aussprache. Homophone Wörter klingen in der Aussprache gleich, werden aber unterschiedlich geschrieben.
 
Beispiel Homograph: Montage (Plural von Montag oder Installation)
 
Beispiel Homophon: malen / mahlen
 

Mehrdeutige Wörter in Text und Marketing

 
Oft erschließt sich erst aus dem Kontext, welche Bedeutung des Wortes gemeint ist. Deshalb kommen gute Texter speziell bei mehrdeutigen Begriffen schnell auf den Punkt. Liefern wichtige Schlagworte. Schaffen direktes Verständnis beim Leser. Schauen Sie sich dieses Beispiel an, da wird sofort klar, warum gerade bei Mehrdeutigkeit schnell aufgelöst werden muss.
 
Der Ball war der schönste, den er je gesehen hatte. Voller leuchtender Farben. Seine Freunde hatten ihn auch schon gesehen. Und er kostete nicht einmal viel …
 
Max ging durch die Reihen der Tänzer und Tänzerinnen und genoss die Musik in vollen Zügen.
 
Das überzeugte Max Mutter dann auch. Am nächsten Tag präsentierte er den Gummiball stolz im Kindergarten.
 
Sie sehen: Vier Sätze, die erst im fünften oder sechsten Satz aufgelöst werden. Bis dahin weiß der Leser nicht genau, worum es geht. Bei solchen Geschichten nicht weiter schlimm. In Werbetexten und Marketing aber sehr gefährlich. Denn so verliert man Leser, die vielleicht an Produkt oder Dienstleistung interessiert gewesen wären. So klicken wahrscheinlich Suchende in Google, Bing und Co. einen Link nicht. So springen Ihnen Leser aus dem Newsletter ab.
 
Der Tipp gilt natürlich auch für den Suchenden: Wer in Google „Ball“ eingibt, bekommt ein Mischmasch vom Sportgerät, über den Gala-Ball bis zum Fußball-Bericht angezeigt. Wer präziser sucht, findet auch genau das, wonach er sucht.
 

Doppeldeutige Wörter: Tipps, um verständlich zu bleiben

 
Für den Texter gilt, Produkte oder Dienstleistungen so exakt wie möglich zu beschreiben. Er muss auf den Punkt kommen. Er muss die Keywords kennen, mit denen genau sein Produkt gesucht wird. Geht es um einen Medizinball, Basketball, Tennisball? Oder um den Presseball, Opernball, Gala-Ball? Diese fein zeichnenden Begriffe müssen an den Anfang des Textes. In Headlines, Teaser und Links. Oder im Stichwortverzeichnis auftauchen.
 

Nutzen Sie genauere Bestimmungen für Ihr Produkt:

 
So unterscheiden Sie sich besser von der Konkurrenz, liefern dem Kunden ein exaktes Suchergebnis und bedienen nach Bedarf auch allgemeine Begriffe als Suchwort.
 
1. Vom Groben ins Feine: Mit Präzision Unklarheiten beseitigen
Ball | Lederball | Fußball | Hallenfußball
2. Attribuierung zur genauen Unterscheidung
Leichte Lederbälle und strapazierfähige Fußbälle
3. Mehr Unterscheidung durch Produktmerkmale
Fußbälle aus Leder, Stoff, Kautschuk
4. Wie wird das Produkt angewendet?
Bälle für Fußball, Bälle für Basketball, Bälle für Kleinkinder
 

Wichtig: nicht nur für die Suchmaschine

 
Verwenden Sie mehrere Wörter aus dem Bedeutungsumfeld Ihres Begriffes vor allem bei Suchmaschinen, die auch den Text um Ihr Keyword auslesen. Wenn rund um „Ball“ auch die Oper, Tanz und Musik genannt wird, lösen Sie die Doppeldeutigkeit des Begriffes schnell auf. Doch nicht nur im Internet fühlt sich ein Leser im „passenden Wortumfeld“ schneller richtig aufgehoben. Klarer wird’s wieder am Beispiel dieser Schlagzeilen:
 
Unaufgelöst:
 
Bienenstich auf dem Marktplatz …
 
Alle Heringe verloren …
 
Aufgelöst:
 
Bienenstich auf dem Marktplatz: Notarzt rettet Mann nach allergischem Schock
Bienenstich auf dem Marktplatz: Kuchen-Aktion für bummelnde Passanten
 
Alle Heringe verloren: Fischer verliert Kampf mit gierigem Hund
Alle Heringe verloren: Camper muss Zelt mit Gabeln befestigen
 

Liste: Doppeldeutige & mehrdeutige Wörter

 
Hier finden Sie 57 mehrdeutige Wörter, bei denen der Kontext schnell auf den Punkt kommen sollte. Wenn Sie also Fliegen verkaufen, achten Sie darauf, ob die Zielgruppe Anzugträger oder Eidechsen sind. Spaß beiseite: Überlegen Sie bei den Wörtern in Ihren Texten, ob Sie fein zeichnen und schnell verstanden werden. Und optimieren Sie, wo es noch nötig ist. Denn diese 57 Wörter sind nur ein kleiner Auszug …
 
Absatz: am Schuh, im Text
Akt: im Theater, in der Kunst
Angel: bei Tür und Fenster, beim Fischen
 
Ball: zum Spielen, zum Tanzen
Bank: zum Sitzen, fürs Geld
Bart: im Gesicht, am Schlüssel
Bienenstich: durch Stachel, beim Bäcker
Birne: das Obst, in der Lampe
 
Chip: im Computer, zum Essen
Clip: im Ohr, Musik oder Video
 
Dame: edle Frau, Brettspiel
Decke: im Bett, Zimmerdecke
Dosen: Getränke-, Medikamente
 
Eis: für Schlittschuh, zum Essen
Ente: auf dem See, in der Zeitung
Erde: im Blumentopf, im Universum
Eselsohr: beim Tier, im Buch
 
Fessel: am Fuß, zum Festbinden
Fliege: das Tier, das Accessoire
Flügel: auf der Bühne, am Vogel, am Haus
 
Gang: zum Gehen, zum Essen
Gericht: zum Essen, für Anwalt und Richter
Golf: zum Fahren, zum Spielen, Meeresbucht
 
Hahn: auf dem Hof, am Waschbecken
Hering: im Wasser, am Zelt
 
Kater: zum Streicheln, am Tag danach
Kiwi: Frucht, Vogel, Neuseeland-Bewohner
Kreuz: in der Kirche, für den Rucksack
 
Läufer: im Wohnzimmer, auf der Laufbahn
Linse: in der Kamera, zum Essen
Löffel: neben dem Teller, am Hasenkopf
 
Maus: im Käfig, am Computer
Mine: im Berg, im Kugelschreiber
Mutter: und Vater, zum Schrauben
 
Nadel: am Baum, zum Nähen
Nagel: am Finger, im Werkzeugkasten
Note: im Liedbuch, im Zeugnis
 
Orange: die Frucht, die Farbe
Organ: im Körper, die Stimme
 
Pflaster: auf der Straße, auf der Wunde
Pfeife: macht Rauch, macht Lärm
 
Ring: am Finger, zum Boxen
Rock: zum Anziehen, zum Anhören
 
Schimmel: das Pferd, auf verdorbenen Lebensmitteln
Schild: beim Ritter, im Straßenverkehr
Schlange: im Zoo, vor dem Klo
 
Tafel: zum Schreiben, zum Essen
Tau: beim Schiff, auf der Wiese
Ton: zum Hören, zum Töpfern
 
Umschlag: für Briefe, für fiebrige Menschen
Umzug: bei Paraden, in eine neue Wohnung
 
Veilchen: im Garten, ums Auge
 
Wirtschaft: Handel, Gasthaus
Wurf: mit dem Ball, Nachwuchs bei Tieren
 
Zahn: im Mund, am Zahnrad
Zehe: Stück Fuß, Stück Knoblauch
Zelle: im Gefängnis, im Körper
 
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