Synonyme: Wenn die Wortwahl zur Wortqual wird …

 
Als Schüler lernt jeder die Regel: „Keine Wiederholungen!“ Im Prinzip stimmt das auch. Aber vor allem bei Substantiven sollten Sie Acht geben. Hier führt der Zwang zur Abwechslung oft zu gestelzten, hässlichen Wörtern: Wenn zum Beispiel der Fisch plötzlich „Kiementier“ heißt oder die Wahl zum „Urnengang“ aufgebläht wird. Hier deshalb eine Liste der wohl abgegriffensten Synonyme und dazu drei Tipps, die Sie sicher zum passenden Synonym leiten.
 

Synonyme

 

Das Problem der Synonyme: Abwechslung, aber nicht um jeden Preis!

 
Natürlich: Abwechslung hält einen Text lebendig. Deshalb ist es völlig richtig, viele verschiedene Verben zu benutzen. Bei den Substantiven gilt jedoch: Vorsicht! Nicht immer gibt es für einen
Sachverhalt zwei identische Wörter. Da geht der Versuch, abwechslungsreich zu schreiben, schnell mal daneben. Hier eine Liste einiger etwas verunglückter Synonyme:
 

Andorra, Liechtenstein etc. = der Zwergstaat
Sie sehen es schon am etc.: Hier macht der Zwang zur Abwechslung den Text unpräzise. Zwergstaat kann für sicher 20 Nationen stehen – warum denn nicht einfach noch einmal Liechtenstein?
 
Die Wahl = der Urnengang
Könnte auch der Gang zu einer Feuerbestattung sein. Peinlich wird es, wenn die Wahl gar nicht mit Urnen organisiert wird, zum Beispiel eine Wahl im Internet.
 
Das Fahrrad = das Velò, der Drahtesel
Zwei affektierte und altbackene Ausdrücke. Fragen Sie sich einmal selbst – würden Sie zu Freunden sagen: „Morgen kaufe ich mir einen Drahtesel“?
 
Gewässer = das kühle Nass
Pseudo-literarische Floskel. Hat nach der 5.000sten Wiederholung etwas an Frische verloren.
 
Niederschlag = unpräziser Ausdruck für Regen, Schnee etc.
Kraftloser Meterologen-Ausdruck. Wie viel anschaulicher sind da Regen, Schnee oder Hagel!
 
Der Bauherr = der Häuslebauer
Lässt Bauen als Hobby für Spießer erscheinen. So sollten Sie nicht mit Bauherren sprechen, wenn sie Ihre Kunden werden sollen.
 
Der Bauer = der Agrar-Ökonom
Ein perfektes Beispiel, wie man aus einem schönen, kraftvollen Wort bestes Beamten-Deutsch macht.
 
Der Fisch = das Kiementier
Unendlich gekünsteltes Konstrukt, würde im Gespräch benutzt – und daran sollen Sie als Texter sich ja orientieren.

 
Schauen wir uns diese Liste etwas genauer an, dann sehen wir schnell, was schlechte Synonyme ausmacht. An folgenden Eigenschaften erkennen Sie sie:
 
Schlechte Synonyme sind unpräzise (wie „Zwergstaat“ für Andorra oder „Niederschlag“)
 
Sie werden in der gesprochenen Sprache nie verwendet (wie „Kiementier“).
 
Sie enthalten eine Wertung, die Sie als Schreiber nicht beabsichtigen (etwa „der Häuslebauer“ statt Bauherr oder „der Winkeladvokat“ statt Anwalt).
 
Sie bedienen sich gut gemeinter, aber meist platter literarischer Schnörkel (zum Beispiel „das kühle Nass“ für Wasser).
 
Sollte Ihr Synonym eine der obigen Bedingungen erfüllen – ersetzen Sie es! Welche Möglichkeiten Sie dazu haben, erfahren Sie gleich hier:
 

1. Möglichkeit: Mut zur Wiederholung

 
Nur Mut! Es ist keine Schande, ein Wort zweimal zu benutzen. Zwei Bedingungen sollte es aber erfüllen:
 
1. Bedingung
 
Das Wort ist für die Aussage des Satzes entscheidend. In diesem Fall betonen Sie das Wort, wenn Sie es wiederholen – ein schönes Mittel, das sich übrigens auch in der Literatur findet, zum Beispiel in Goethes „Mailied“:
 


O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!

 
Sie sehen: Hier erscheinen innerhalb der vier Zeilen gleich zwei Wörter doppelt, Mädchen und lieb/liebst. Klingt das Gedicht deshalb langweilig oder banal? Nein! Er wird gerade durch die Wiederholung äußerst dicht und intensiv.
 
In der Literatur gibt es eine ganze Reihe von Stilmitteln, die mit Wiederholungen arbeiten – die Anapher etwa mit der Wiederholung des ersten Wortes im Satz: „Er kam. Er sah. Er siegte.“ Um Wirkung zu entfalten, müssen die wiederholten Wörter aber eine weitere Bedingung erfüllen.
 
2. Bedingung
 
Das wiederholte Wort muss stark und bildhaft sein!
Gehen wir noch einmal zurück zum Mailied: Stellen Sie sich einmal vor, Goethe hätte die Verse aus dem Beispiel so geschrieben:
 

O junge Angehörige des weiblichen Geschlechts, o junge Angehörige des weiblichen Geschlechts,
wie fühle ich mich amourös zu dir hingezogen!
Wie blickt dein Auge!
Wie fühlst du dich amourös zu mir hingezogen!

 
Dieser Text wirkt lächerlich – und zeigt Ihnen, wie hässliche Wörter in der Wiederholung noch hässlicher werden. Ziehen wir also ein Fazit aus diesem Absatz, so lautet es: Wiederholung kann
ein schönes Stilmittel sein – doch nur, wenn Sie damit Wichtiges mit den richtigen Wörtern unterstreichen.
 
Ein Beispiel aus einem Werbetext wäre etwa folgende Einleitung zum Baustoff Holz:
„Holz dämmt Ihr Haus. Holz stützt Ihr Dach. Und: Holz reinigt die Luft, die Sie täglich atmen.“
 
Noch etwas: Gerade im Internet-Zeitalter sollten Sie über bewusste Wiederholung nachdenken. Denn: Die bekannten Suchmaschinen arbeiten alle nach dem Prinzip der Wiederholung. Nur wenn auf einer Seite ein Begriff häufig auftaucht, erscheint die Seite auch weit oben in der Trefferliste der Suchmaschine. Für Sie als Texter heißt das: Wenn Ihre Internet-Seite unter dem Stichwort „Auto“ weit vorne erscheinen soll, dann müssen Sie auch das Wort „Auto“ häufig benutzen und es nicht andauernd durch Wagen, PKW, Gefährt und Ähnliches ersetzen.
 

2. Möglichkeit: Wann Synonyme gebraucht werden

 
Es gibt eine Situation, da sind Synonyme nicht nur gut für die Abwechslung, sondern auch notwendig für das Verständnis. Diese Situation ist die folgende: Sie führen einen Begriff für
eine Person, ein Produkt oder ein Verfahren etc. ein, das Ihr Leser nicht kennt. Der Begriff ist ihm fremd – hier liefert das Synonym die Lösung: Es dient als nachgestellte Erklärung.
 
Ein Beispiel:

„Unsere Ziegel erreichen eine unglaubliche Farbpalette. Das Mittel dazu: Engoben“ (dieses Wort kennen die meisten Ihrer Leser wohl nicht). „Diese
farbigen Tonarten …“ (mit diesem Synonym geben Sie Ihrem Leser eine kurze Erklärung, was mit Engoben gemeint ist).

 

3. Möglichkeit: So finden Sie die richtigen Synonyme

 
Nun stellt sich die Frage: Wie vermeidet man hässliche Synonyme? Wenn Sie nicht zehnmal am Stück dasselbe Wort schreiben wollen, sind Sie gezwungen, andere Begriffe zu finden. Nun, ein
Patentrezept kann Ihnen auch dieser Textertipp nicht geben; aber es gibt drei Regeln, an die Sie sich halten können. Hier sind sie:
 
Regel 1: Die beste Bezeichnung für eine Person ist immer deren Name!
 
Mit dem Eigennamen haben Sie das kraftvollste Wort, um einen Menschen zu bezeichnen. Forschungen zum Leseverhalten belegen das: Einen Namen empfindet der Mensch nicht als Wort, sondern als Bild – weil ein Name viel mehr Verknüpfungen auslöst als ein abstrakter Begriff! Übrigens ist unsere Sprache selbst hier sehr klug: „Wort“ bedeutet in seinem ältesten Sinn nichts anderes als „Name“!
 
Regel 2: Für Gegenstände, Funktionen oder Merkmale gilt: Werden Sie konkret!
 
Daraus folgt die zweite Regel für gute Synonyme: Je genauer, desto besser. Das heißt: Machen Sie aus dem Regierungsmitglied zum Beispiel den Finanzminister, den Außenminister usw., das Haus machen Sie zu Ruine, Hochhaus oder Villa – je nach Bedarf. Das Synonym ist Ihre Chance, Dinge deutlicher, genauer – kurz: besser – zu sagen. Denn: Je genauer Sie formulieren, desto klarer wird das Bild im Kopf Ihres Lesers – Ihr Text wird lebendig!
 
Regel 3: Wenn Ihr Produkt nicht konkret ist – dann machen Sie es mit dem richtigen Synonym dazu!
 
Zwei Techniken helfen Ihnen dabei: das Persönlichmachen von Produkten und die Übertragung in andere Wortwelten. Das bedeutet: Mit einem sprachlichen Bild machen Sie einen Gegenstand zu
einer Person, den Tresor zum Beispiel zum Wächter oder das Navigationssystem Ihres Autos zum persönlichen Steuermann. Immer eine große Hilfe dabei: gewisse Wortwelten, Felder, aus denen sich Bilder generieren lassen.
 
Ein Beispiel:
 
Sie schreiben einen Text zum Thema Kühlschrank. Ihr Produkt hat viele Vorteile: im Innenbereich zum Beispiel eine spezielle, keimfreie Oberfläche, die das Wachstum von Bakterien hemmt.
 
So klar machen Sie diesen Vorteil mit dem richtigen Bild: Die Vorteile der keimfreien Oberfläche haben Sie erwähnt – mit dem richtigen Synonym machen Sie Ihrem Kunden seinen persönlichen Nutzen sichtbar. Sagen Sie also nicht „der Apparat“ oder „das Gerät“, wenn Sie ein Synonym für Kühlschrank brauchen – machen Sie „Ihren Gesundheits-Profi“ oder „den Wächter über Ihr Wohlbefinden“ daraus! So wird dem Kunden klar: es geht nicht um Zahlen, Funktionen, chemische Stoffe – es geht darum, was die Technik für ihn leistet!
 
 
Einfach downloaden: Textertipp Synonyme
 
 
Noch ein kleiner Tipp: Richtige Synonyme finden Sie im Internet. Meine Favoriten: Woxikon oder das Wortschatzportal der Uni Leipzig
 
Mehr Tipps und Tricks rund um Wortwahl, Wortwelten und Sprachbilder gibt‘s im Lexikon der Wortwelten.

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