Wie interessant sind meine Texte? Hier gibt's die Antwort ...

Wie interessant sind meine Texte?

 
Haben Sie sich schon mal gefragt, ob die Texte, die Sie schreiben, auch interessant sind? Für Leser, Kunden, Mitarbeiter? Oder wurden Sie schon mal von Ihrem Vorgesetzten gefragt, ob der Text auch das tut, was er soll? Interesse wecken, zum Lesen animieren, verkaufen? Hier gibt’s Fakten zum Thema „Wie interessant sind meine Texte?“ – wissenschaftlich fundiert. Prüfen Sie doch mal, wie Ihre Texte im Abstraktheits-Index abschneiden und welchen Human-Interest Wert sie schaffen. Viel Spaß beim Lesen und Testen …
 

Wie interessant sind meine Texte

 

Vorweg: Das Hamburger Modell und die Dimensionen der Textverständlichkeit

 
Ein System, das intuitives Wissen bei der Textverständlichkeit berücksichtigt, ist das Hamburger Modell der Verständlichkeitsmessung. Es hebt sich von der reinen Betrachtung oberflächlicher Textmerkmale ab und ist sehr interessant, weil die einzelnen Dimensionen des Modells gleichzeitig auch Hinweise zur Optimierung liefern:
 
Die Psychologen Langer, Schulz von Thun, Tausch legten zunächst eine Liste von Eigenschaften an, die sich zur Beschreibung und Einschätzung von Texten eignen. Diese Liste wurde zu polaren Skalen verarbeitet. Experten – meist Lehrer – beurteilten verschiedene Texte hinsichtlich dieser Merkmale. Wichtig ist hier: Es handelt sich um Eindrucks-Merkmale. Sie werden also nicht objektiv ausgezählt, sondern intuitiv bei der Lektüre erfasst.
 
Die folgende Grafik zeigt die vier Dimensionen der Textverständlichkeit
 

 

Human-Interest-Werte und Abstraktheits-Index oder „stimulieren“ Ihre Texte wirklich?

 
Anregend oder nüchtern? Interessant oder farblos? Abwechslungsreich oder gleichbleibend neutral? Persönlich oder unpersönlich? Das sind die beiden Pole des Hamburger Modells in der Dimension Stimulanz/Anregende Zusätze. Doch was bedeuten die hier genannten Merkmale?
 
Im Hamburger Modell geht es um „Eindrucks-Merkmale“. Doch ein Merkmal wie „persönlich“ lässt sich auch an objektiv auszählbaren Textmerkmalen festmachen.
 
Mit dem so genannten Reading-Ease reduziert man die Textbeurteilung auf Wort- und Satzlängen. Doch natürlich haben wir noch die Wortbedeutung. Ganz klar, dass die Wissenschaft hier nicht stehen bleibt, sondern fragt: Was macht Texte persönlicher? Stimulierender? Zum Beispiel der Einsatz von Personalpronomen, weniger abstrakte Begriffe, Verben, die sich auf ein lebendiges Subjekt beziehen, und und und..
 
Stellvertretend für die vielen Formeln, die den so genannten Human-Interest-Wert berechnen, sei hier eine Formel von Flesch genannt. Sie misst eine Mischung aus Konkretheit und persönlichem Stil. – Und zeigt Ihnen in der folgenden Gebrauchsanweisungen Ihre Möglichkeiten, einen Text „persönlich“ zu schreiben. Es ist „ganz einfach“:
 
1. Bestimmen Sie die Anzahl persönlicher Wörter pro 100 Textwörter (pw). Das sind Hauptwörter mit natürlichem Geschlecht (der Mann), Pronomina und Pluralwörter.
 
2. Bestimmen Sie die Anzahl persönlicher Sätze pro 100 Textsätze (ps), also z.B. direkte Reden, Fragen, Befehle, Bitten, Ausrufe, an den Leser gerichtete Wendungen.
 
3. Jetzt setzen Sie die Werte in folgende Formel ein: H.I. = 3,635 pw + 0,314 ps
 
Die Werte streuen von 0 – 100:
 
WertEindruck
0-10Langweilig
10-20Mäßig interessant
20-40Interessant
40-60Hochinteressant
60-100Dramatisch

 
Interessant für den Texter: Die Formel liefert uns Kriterien, die Sie zum Beispiel auch in anderen Anleitungen für das Texten finden. Die Frage für den H-I-Index ist einfach: Wie schreibt man einen Text persönlicher? In der Gebrauchsanweisung finden Sie nun Textmerkmale, die dazu beitragen.
 

Wie interessant sind meine Texte: Der Abstraktheits-Index

 
Und wer Kriterien sammelt, um seine Texte anschaulicher und konkreter zumachen: Die folgende Abstraktheitsmessung liefert nicht nur einen exakten Wert pro Text, sondern zeigt uns per Gebrauchsanweisung all die Schreibsünden, die Sie als Texter meiden sollten:
 
1. Die Textstichprobe muss mindestens 400 Substantive enthalten.
 
2. Nun zählen Sie die Abstrakta oder A-Substantive (SA). Und das sind alle mit folgenden Endungen: -heit, -keit, -ie (wenn langes „i“), -ik, -ion, -ismus, -ität, -nz, -tur, -ung
 
3. Sie zählen alle Substantive egal ob Ein- oder Mehrzahl oder welcher Fall
 
4. Nun teilen Sie die Anzahl der Abstrakta durch die Gesamtzahl der Substantive N (in der Regl 400), multiplizieren das Ergebnis mit 100 und erhalten so den Abstraktheits-Index in Prozent:
 
Halt, halt! Bitte lesen Sie die Gebrauchsanweisung noch einmal aufmerksam. Denn hier begegnen uns viele Stil- und Daumenregeln der Texterausbildung in Kurzform. „Meiden Sie den Nominalstil!“, „Achten Sie auf wenig Fremdwörter!“, „Bildhaft texten heißt, Bilder im Kopf des Lesers zu malen. Tun Sie das mal mit Materialismus!“ und, und, und.
 
All diese Regeln beziehen sich auf die Endungen der verwendeten Substantive und die Empfehlung Ihres Creative Director, Trainers, Werbeleiters lautet, solche Wörter zu umschreiben oder gleich ein Synonym zu suchen. Damit Ihr Text eben nicht abstrakt sondern konkret und bildhaft im Kopf des Lesers ankommt.
 
Die Formel zur Berechnung des Abstraktheits-Index:
 

 

Einige Anhaltspunkte:

Zahl der Abstrakta in 400 SubstantivenAbstraktheits-Index in
Prozent
Der Text ist ...
0-250-6,25%Sehr konkret
26-507-12,5%Konkret
51-10012,8-25%Mittelmäßig abstrakt bzw. konkret
101-12525,25-31,25%Abstrakt
>125>31,25%Sehr abstrakt

 

Und was bedeutet das für Ihre Texte?

 
Natürlich werden Sie nicht jeden Ihrer Texte anhand der Formeln nachmessen. Aber vielleicht fällt Ihnen unter all den Texten einer auf, der sich einfach nicht rund liest. Bei dem vielleicht doch das ein oder andere Fragezeichen zu viel im Kopf entsteht. Dann können Sie überprüfen, ob Sie Abstraktes zu Gunsten von Bildhaftem tauschen können. Vielleicht war’s ja nur ein „Kurz-vor-Feierabend-Text“, der am nächsten Tag sowieso schnell optimiert ist.

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